Wir schreiben das Jahr 2013. Mein Freund Benedikt ist zu Besuch aus Wien (damals lebte ich selber in Berlin) und überreicht mir voller Stolz eine der kleinen grünen Flaschen, sanft aufbewahrt in einer passenden Holzkiste.
40 ml von diesem Luxus-Destillat. Ein Ingwer-Destillat, meine ich mich erinnern zu können.
Mit leuchtenden Augen erzählt er mir, dass es sich um wohl den besten Brenner der Welt handeln würde. Regelrecht eingeschnappt war er, als ich seine Euphorie nicht erwiderte. Eher war ich etwas verwundert über den Inhalt. Verstehe ich nicht.
Auch wenn Obstbrände im Jahr 2005 mein Einstieg in die Welt der Destillate war (damals war ich 15 Jahre alt und brachte mir anhand von Fachbüchern die Destillation selber bei), so kippte ich erst ab 2018 so richtig tief in die Materie, als ich meine österreichische Frau Valerie kennengelernt habe und nach Österreich zog – dem besten Land der Welt für gebrannte Früchte.
Fun Fact: Valerie habe ich auf der Hochzeit von meinem oben genannten Freund Benedikt kennengelernt, durch den ich auch Rochelts Brände kennengelernt habe.
Begeistert von der unglaublichen Obstbrand-Qualität, die dieses Land zu bieten hat, steigere ich mich immer weiter in die Materie. Theo vom Freimeisterkollektiv hilft mir, die besten Brenner ausfindig zu machen, wodurch auch Besuche bei zum Beispiel Hiebl und Farthofer entstehen.
Ich kommuniziere viel nach außen, teile meine Erfahrungen und fülle sogar mit Hiebl unter meiner The Spirit Traveller-Linie meinen ersten Birnenbrand ab.
Neugier wird bei meinen Zuschauern für das Thema geweckt und die Community selber teilt viele Erfahrungen und Eindrücke – ein schöner Vorteil unserer Facebook-Gruppe, der Wagemut Taste Academy.
Auffällig zu beobachten, dass Rochelt nicht nur in der Gruppe, sondern auch unter meinen YouTube-Videos der mit Abstand am meisten erwähnte Brenner ist.
Viele Genießer schwören auf dessen Arbeit – darunter auch Menschen, deren Meinung ich durchaus sehr schätze.
Diese häufigen Erwähnungen machen mich stutzig – entsprechen deren Eindrücke schließlich nicht den meinen.
Ich verstehe so vieles nicht, was Rochelt betreibt – ja, die Dinge widersprechen oftmals lediglich meinem Verständnis der Materie.
Ich bin stolz auf die Arbeit, die wir mit unserem YouTube-Kanal erreicht haben. Mit mehr als 4 Millionen Aufrufen im Monat sind wir mittlerweile der stärkste Meinungsmacher rund um Destillate im deutschsprachigen Raum.
Mit der steigenden Reichweite erhöht sich aber auch meine Verantwortung. Auch wenn ich heute noch immer sehr offen rede, so bin ich vorsichtiger mit Urteilen. Ich habe ein Bewusstsein entwickelt, wie viel Schaden oder Nutzen ich durch meine gesprochenen Worte erziele.
Aus genau diesem Bewusstsein hat sich eine neue Herangehensweise entwickelt:
Früher hätte ich einfach ein Video über Rochelt gemacht und erzählt, dass mir folgende Dinge nicht passen und dass ich gewisse Dinge anders sehe.
Mittlerweile habe ich mich für den Weg entschieden, eher wie ein klassischer Journalist zu agieren:
Eine Berichterstattung, wo ich die unterschiedlichen Seiten vorführe und den Genießer selber entscheiden lasse.
Anstatt ein Video über Rochelt aufzunehmen, habe ich also den Inhaber, Herrn Alexander Rainer, kontaktiert und um ein Gespräch gebeten.
Hier der Screenshot meiner Mail vom 26. August 2025:
Durch den Anstoß meiner Kollegen von Zucker & Zeste habe ich im Nachhinein realisiert, dass meine Anfrage nicht gerade die feine englische Art war und dass man auf diese Art keine Brücken baut.
Schöne Scheiße, dachte ich mir. Das hätte ich besser machen können.
Umso überraschter war ich, als ich eine Antwort erhielt:
Wow! Da ist aber mal jemand selbstbewusst! Schließlich hat er es ja gar nicht nötig sich meiner Kritik auszusetzen.
Am 22. Januar 2026 hat es dann geklappt: Gemeinsam mit Valerie und unserem Sohn Leon standen wir um Punkt 10 Uhr bei Rochelt im schönen Tirol bei Innsbruck auf der Matte.
Ich wusste gar nicht, was mich erwartet. Wie werde ich empfangen? Wird eine gewisse Anspannung durch meine kritische Mail in der Luft liegen?
Nichts da.
Wir treten ein in das schöne und gepflegte Haus. Herr Rainer begrüßt uns sehr persönlich in der Küche und bietet uns Kaffee an – von Anspannung keine Spur.
Es herrscht eine Art der Ruhe, wie das nur ein Unternehmen mit guter Führung erreichen kann. Alle sind wach, aber so unaufgeregt.
Herr Rainer selber tritt als in sich ruhende, charismatische Person auf.
Neben Spirituosen sind Menschen & ihre Verhaltensweisen eine Leidenschaft von mir und eine Person zu treffen, welche so sehr mit sich im Einklang ist wie Herr Rainer, ist selten.
Nach einem kurzen Kennenlernen beginnen wir mit der Tour.
Im Detail wird uns alles gezeigt. Was besonders positiv auffällt:
Es gibt keine geschlossenen Türen. Alles ist offen.
Es gibt nichts, was uns vorenthalten wird.
Das ist immer ein sehr gutes Zeichen, wenn jemand absolut nichts zu verbergen hat.
Mit einer unaufgeregten Leidenschaft vermittelt uns Herr Rainer die Werte des Unternehmens, während er uns den gesamten Produktionsablauf zeigt – und das, während sogar gerade destilliert wird.
Wir haben alles gefilmt und daraus ein Video auf YouTube hochgeladen.
Besonders hervorzuheben ist der Dachboden, wo 80.000 Liter Destillat reifen dürfen. Wohl eines der schönsten Bilder der Spirituosenwelt:
Die Führung war eine gute Basis für unser anschließendes Interview, wo ich meinen Fragen auf den Grund gehen wollte.
Die Stimmung war sehr harmonisch und Herr Rainer hat sich nicht ansatzweise aus der Ruhe bringen lassen – aber schau es dir selber an: LINK
Ein Fazit habe ich ja bereits im Video erwähnt. Nachdem ich aber alles habe sacken lassen können, möchte ich mein Fazit noch ergänzen:
Rochelt hat seine ganz eigene Welt erschaffen.
Nicht nur die Flasche ist einzigartig, auch die Brände sprechen ihre ganz eigene Sprache.
Auch nach dieser wunderschönen Erfahrung bestehen meine Kritikpunkte:
Ich finde den Alkoholgehalt teilweise zu hoch, halte die Art (offener Glasballon) und die extrem lange Reifezeit (8–15 Jahre) nicht für sinnvoll, die Art der Gärung & Destillation zu rustikal und habe überhaupt keine Ahnung, wie ich dir erklären soll, so viel Geld für einen Obstbrand auszugeben.
Und dennoch fühle ich es voll. Rochelt hat mich voll in seinen Bann gezogen. Selber habe ich mehrere Flaschen erworben.
Die Hingabe hat mich völlig überzeugt. Auch wenn ich nicht jedem Schritt zustimme, so passiert alles mit einem kompromisslosen Qualitätsanspruch.
Noch nie habe ich einen Betrieb erlebt, der solch einen Aufwand betreibt. Die Art der Rohstoffgewinnung und die Wertschätzung gegenüber den Landwirten hat mich sehr inspiriert. Die Demut vor der Natur berührt mich jedes Mal.
Rochelt sind Idealisten, die unirrtiert ihren eigenen Standard setzen und dafür international Anerkennung erhalten.
Ich wurde wieder einmal bestätigt, wie diese Kompromisslosigkeit dazu führt, dass Menschen völlig mit sich im Einklang sind.
Danke für diese Erinnerung. Danke für diese Inspiration.












